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Bioenergetik: Die eigene Lebendigkeit wieder entdecken

Im Sinne des Ganzheitsprinzips der Naturheilkunde versucht die Bioenergetik, Körper, Geist und Seele wieder in Einklang zu bringen, damit die Lebensenergie, auch Bioenergie genannt, erhöht wird und ungehindert durch den ganzen Körper strömt.

Grundlagen der Bioenergetik

Diese Behandlungsmethode gehört zu den Körpertherapien, die vor allem in den USA begründet wurden. Im Sinne des Ganzheitsprinzips der Naturheilkunde versucht die Bioenergetik, Körper, Geist und Seele wieder in Einklang zu bringen, damit die Lebensenergie, auch Bioenergie genannt, erhöht wird und ungehindert durch den ganzen Körper strömt. Das fördert die Gesundheit und die Lebensfreude und lässt uns die Fülle der Lebensmöglichkeiten wieder erkennen und ausnutzen.

Da heute viele Menschen vorwiegend „aus dem Kopf“ leben, aber ihre Gefühle und Körperlichen Bedürfnisse vernachlässigen, kann diese Therapie vor allem zur Grundbehandlung psychosomatischer Erkrankungen eingesetzt werden, ergänzt durch verschiedene Naturheilverfahren.

Bioenergetik wurzelt in folgendem Prinzip

Der Organismus ist eine Einheit. Somit ist auch Gesundheit als Einheit zu begreifen. Das heißt, dass eine Identität zwischen körperlicher und geistiger, emotionaler und sexueller Gesundheit besteht. Jeder Gesichtspunkt seiner Gesundheit steht in Beziehung zu einem anderen und spiegelt seine Gesundheit wider. Ein Bruch in dieser Einheit unterbricht die Ganzheit des Organismus und stört die Gesundheit an einem anderen Punkt. Zum Beispiel sind sexuelle Probleme und möglicherweise Ängste Auslöser für Störungen in seiner körperlichen, geistigen und emotionalen Gesundheit.

Körperliche Gesundheit ist mehr als das Fehlen von Krankheiten. Sie zeigt sich in einem grazilen, energievollen und schönen Körper, ist pulsierend, lebendig. Hier herrscht ein klarer Verstand und es gibt keine unterdrückten Konflikte.

Emotionale Gesundheit bedeutet sozial und emotional kompetent zu sein. Geistige Gesundheit heißt, in der Lage zu sein, jederzeit angemessen (an der jeweiligen Situation orientiert) zu denken und zu handeln. Sexuelle Gesundheit ist das genuss- und lustvolle Erleben und Ausdrücken von Gefühlen

Entstehung und theoretische Grundlagen der Bioenergetik

Begründet wurde die Bioenergetik von dem 1910 geborenen Amerikaner Alexander Lowen. In den 30er Jahren stieß er erstmals auf Zusammenhänge zwischen körperlicher Aktivität und seelisch-geistigem Befinden. Er nahm Kontakt auf mit Wilhelm Reich, dem „Vater“ der Körpertherapie und wurde dessen Schüler. 1947 begann Lowen seine Bioenergetik zu entwickeln.

1956 gründete er das Institut für Bioenergetische Analyse. Theoretische Grundlage der Bioenergetik bildet die Annahme, dass es eine „fundamentale Energie“ gibt, die man mit Lebenskraft am besten beschreibt. Diese Bioenergie bestimmt u.a. die Körperhaltung und den Spannungszustand der Muskulatur maßgeblich mit. Fließt sie frei durch den Körper, besteht eine aufrechte, gute Haltung, während Störungen des Energiestroms zu Fehlhaltungen und Verspannungen der Muskulatur führen.
Daraus kann der erfahrene Therapeut sichere Rückschlüsse auf die lebensgeschichtliche Entwicklung und augenblickliche Lebenssituation eines Menschen ziehen. Neben den Veränderungen der Körperhaltung sind dabei vor allem die "Verpanzerungen" der Muskulatur bedeutsam. In ihnen staut sich die Lebensenergie, wird "eingefroren" und steht nicht mehr für körperliche und geistig-seelische Aktivitäten zur Verfügung.

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Als Ursachen solcher Energieblockierungen gibt Lowen meist negative Erfahrungen schon in der frühen Kindheit an; sie können aber auch erst im späteren Leben durch ungünstige Einflüsse entstehen oder verschlimmert werden. Bewusst und willentlich lassen diese sich nicht mehr auflösen. Eine typische Ursache ist die Ablehnung durch die Eltern, die dazu führt, dass das natürliche Bedürfnis nach Zuwendung und Zärtlichkeit, Liebe unterdrückt werden muss. Dazu wird die damit verbundene Bioenergie im Muskelpanzer „gebunden“ und unter Kontrolle gehalten. Chronische schmerzhafte Verspannungen zum Beispiel in der Rückenmuskulatur sind die häufige Folge, aber auch zahlreiche andere psychosomatische Beschwerden können so entstehen.

Befreit man die „eingefrorene Lebensenergie“, indem man durch körperliche Übungen die Energieblockade im Muskelpanzer aufhebt, können sich die verdrängten Bedürfnisse und Gefühle abreagieren d.h. gelebt und dauerhaft verarbeitet werden. Der Körper ist ein Abbild des Seelischen und das bedeutet, alles was im Inneren eines Menschen geschieht, spiegelt sich im Körper wider und umgekehrt.

Methoden (Übungsformen) der Bioenergetik

Stress-Positionen, das sind bestimmte, anfangs unbequemer Körperhaltungen, die so lange wie möglich eingehalten werden; dabei kommt es u.a. zur vertieften Atmung, guter Durchblutung und zum Vibrieren der belasteten Körperpartien, wobei sich der Muskelpanzer löst und die Energie wieder frei strömt.

Erdungsübungen (Grounding), bei denen man bewusst den Kontakt mit dem Boden herstellt und wahrnimmt, also wieder lernt, mit „beiden Beinen fest auf dem Boden der Realität und im Leben zu stehen“, verwurzelt im Inneren durch Wahrnehmung, Gefühl, Gedanken und in Beziehung zu anderen Menschen. Tiefenatmung u. a. mit Hilfe von Atemhocker oder Schaumstoffwürfel. Bewegungs- und Ausdrucksübungen machen den Körper beweglicher. Ausdrucksübungen bestehen u.a. in Strampeln, Treten, Stoßen mit Händen und Füssen, wobei Gefühle (wie Aggressionen, Wut, Trauer), die lange unterdrückt wurden, ausgelöst und befreiend abreagiert werden können. Auch werden oft Erinnerungen, Bilder und Fantasien aus sehr frühen Jahren an die Oberfläche gebracht. Fallübungen können vorübergehend die Selbstkontrolle durch den Verstand ausschalten und die damit verbundenen Verspannungen lösen.

Massageähnliche Manipulationen am Muskelpanzer und einzelnen Verspannungen lösen diese auf. Diese Massage arbeitet auch mit gezieltem, äußerem Druck, bis sich die blockierte Energie schließlich, wenn der Druck zu stark wird, spontan entlädt.

Die körperlichen Übungen werden von seelischen Reaktionen begleitet, weil mit der Lösung der Energieblockaden auch lange verdrängte, im Muskelpanzer "eingefrorene" Gefühle und schmerzhafte Erinnerungen befreit werden. Sobald sich der Mensch seines Körpers bewusst/er wird, gewinnt er ein neues Verhältnis zu sich selbst und findet Wege zu mehr Ausgeglichenheit und Wohlbefinden. Über Atmung und Bewegung drücken sich Gefühle körperlich aus, durch Anspannen der Muskulatur und Einschränken der Atmung werden diese kontrolliert.

Die Bioenergetik verwendet Körpertechniken, die eine tiefe und ungehinderte Atmung wiederherstellen sowie Bewegungs- und Ausdrucksübungen, die festgehaltene Emotionen wiederbeleben, dem Bewusstsein erneut erfahrbar machen. Das Wahrnehmen und Lösen belastender Energieblockaden führt letztendlich zu mehr Lebensfreude und selbstbestimmtem Handeln.

Die in der therapeutischen Arbeit gemachten Erfahrungen werden gemeinsam analysiert und besprochen. Es entsteht mehr und mehr Verständnis für die eigene Lebensgeschichte und somit wird auch der Bezug zum individuellen Alltagserleben klarer und fassbarer.

Das weiter entwickelte Körperbewusstsein hilft dabei im Alltag über das Körpergefühl (z.B. "aus dem Bauch heraus") angemessen zu handeln. Auf diesem Wege kann sich ein tieferes Bewusstsein für die eigene Persönlichkeit entwickeln und die Kraft, die früher in den Muskelverspannungen gebunden war, steht wieder "zur Lebensgestaltung" zur Verfügung.

Wachstum, Entwicklung und Wahrung der eigenen Identität bleiben bestehen, ist der Mensch erst einmal im Körper verwurzelt.

Körperausdruck und Charakterstrukturen

Die geäußerte Energie zeigt oft wenig von dem, was an lebendigen Lebenskräften hintergründig, unbewusst am Werk ist. Es ist wichtig wahrzunehmen, welche Haltungen, verinnerlichte Maßnahmen dem jetzigen Leben dienlich sind oder als alte Relikte gegen das heutige Dasein gerichtet sind. Mit Hilfe der Bioenergetischen Charakterarbeit werden "Errungenschaften", die früher als notwendige Abwehrreaktionen gegen zum Beispiel schmerzliche Einflüsse auf die Person entstanden sind, spürbar, erkennbar gemacht. Es wird die Bereitschaft gefördert, Verkrustungen aufzubrechen und Blockierungen abzubauen. Neugierde auf die ungebremste Lebenskraft, das Dynamische hinter den Blockaden wird geweckt.

Das Seelische hat im Körper seine Entsprechungen und kommt im Körper zum Ausdruck. Der Charakter legt die Lebensgeschichte fest. Unter ungünstigen Lebenskonstellationen durfte sich die Lebendigkeit im Körper nur wenig Raum verschaffen. Die Seele verkümmerte, die Einheit von Körper und Seele ist gestört. Statt strömender Lebendigkeit erlebt dieser Mensch Stress, Unzufriedenheit, Depression und unbewusstes Getriebensein.

Lebensprozesse stellen sich aus bioenergetischer Sicht in vier Phasen dar:

  1. Bejahen
  2. Nehmen
  3. Halten
  4. Geben

Charakterstrukturen beschreiben energetische Störungen der Persönlichkeitsentwicklung in einer oder mehrerer der vier Phasen:

Die Bejahung ist der Antrieb jeden gesunden Lebensprozesses (Urvertrauen).

Im Nehmen tanken wir genügend Energie auf (auch gefühlsmäßige Sättigung), um das Leben tatkräftig gestalten zu können.

Durch das Haltevermögen sammeln und speichern wir Kraft.

Im Geben sind wir dann in der Lage zu teilen, abzugeben, uns in Liebe hinzugeben.

Zusammengefasst bedeutet dies folgendes:

Sind die vom Säugling ausgehenden Lebensimpulse bejaht worden, hat es genug bekommen und ausreichend Kräfte gespeichert, dann kann es sich hingeben. Es hat so viel Lebenssubstanz entwickelt, um ausgeglichen und freigiebig in Kontakt mit „der Welt“ zu treten. Ein Kind entwickelt sich in einer bejahenden Umwelt mehr und mehr, in dem es sich seiner Rechte immer bewusster wird. Den Entwicklungsschritten entsprechend steht das Recht zu existieren, seine Bedürfnisse zu befriedigen, selbständig und unabhängig zu sein,... im Mittelpunkt der Entwicklung. Dieser beschriebene optimale Entwicklungsverlauf stellt sich nur dann so da, wenn keine frühen Störungen die Persönlichkeitsentwicklung gravierend beeinflusst haben. In der Auseinandersetzung zwischen Triebstruktur und gesellschaftlicher Realität, zwischen „Innen-und Außenwelt“, kommt es je nach Entwicklungsverlauf zu bestimmten, charakterlichen Manifestationen, Verspannungen und Blockierungen der Muskulatur:

Wird ein Säugling, der sein Verlangen nach Zuwendung und Zärtlichkeit durch Schreien ausdrückt, immer wieder die Erfahrung machen, dass dieses Bedürfnis gar nicht oder negativ beantwortet wird, wird es beginnen sein Bedürfnis nach Zärtlichkeit, Zuwendung zu unterdrücken. Es hält z.b. die Luft an, beisst auf die Zähne, spannt den Bauch hart an. Aus Angst vor erneuter Ablehnung und / oder Schmerz der Verlassenheit entwickelt sich als Schutzrektion ein Muskelpanzer.

In der Bioenergetischen Körperarbeit werden diese, vorwiegend in der frühen Kindheit ( bis zum 8.Lebensjahr) entstandenen Abwehr- und Schutzreaktionen, offen gelegt und in ihrer lebenseinschränkenden Wirkung gemindert bzw. abgebaut.

Die Bioenergetik unterscheidet fünf Charakterstrukturen

  1. Der schizoide Charakter
  2. Der orale Charakter
  3. Der psychopathische Charakter
  4. Der masochistische Charakter
  5. Der rigide Charakter

Kurzbeschreibung des schizoiden Charakters

Wird ein Säugling nicht eindeutig in seiner ganz frühen Entwicklung bejaht, bestärkt in seinem Dasein, fühlt es sich nicht richtig zu Hause in sich selbst.

Die Angst zurückgewiesen zu werden lässt den Körper zusammenziehen. Die innere und äußere Einheit zerbricht durch zu große Spannungen. Der Körper wirkt fragmentiert und unproportioniert. Zweifel und Misstrauen lassen Uneinigkeit mit sich selbst und der Realität um es herum aufkommen. Die schizoide Person zieht sich in seine "Phantasiewelt" zurück ("Weltflucht"). Sie baut sich eine eigene ungestörte Traumwelt auf. Körper und Seele entfremden sich. Gerade bei schizoiden Persönlichkeiten geht es darum, dass sie ihren "leeren", "bedeutungslosen" Körper wieder mit Leben füllen lernen. Sie müssen ihren Körper zurückgewinnen.

Kurzbeschreibung des oralen Charakters

Wer nicht genug bekommen hat, läuft unbefriedigt und "ausgehungert" durchs Leben. Sein Körper zeigt Mangelerscheinungen. Er kann sich nicht das nehmen, was er braucht, da seine Organe blockiert sind. Er ist kaum in der Lage seine Bedürfnisse und sein sehnsüchtiges Verlangen auszudrücken. Da er fast nur das Gefühl hat, zu kurz zu kommen, wird er immer tiefer in Illusionen hineingezogen. Die Grundlage für die Entstehung von Süchten ist gelegt. Er fühlt sich schwach und hilflos. Er entzieht sich jeglicher Anstrengung, oft auch der Verantwortung für sein Tun. Ein typischer Satz ist „Ich kann das nicht“. Die orale Person muss lernen sich zu nehmen, was sie für ein erfülltes Leben braucht.

Kurzbeschreibung des psychopathischen Charakters

Kinder haben den inneren Wunsch erwachsen zu werden. Wird ihnen eine erwachsene Rolle angeboten oder wird es hochgejubelt, so ist das Kind verführbar, manipulierbar. Bekommt es für sein vernünftiges Verhalten auch noch positive Verstärkung, so wird es sein Erwachsenwerden beschleunigen und schnell groß werden wollen. Aus der Befürchtung sonst übersehen zu werden, entspricht es dem fremden Wunsch und wird somit um seine Kindheit betrogen. Weil das innere Wachstum nicht mithalten konnte, verausgabt der Psychopath sich, übernimmt sich. "Frühreif sein zu müssen" wie "zu schnell zu viel erreichen zu wollen, können körperliches Wachstum nicht ersetzen. Da das Kind für sein Erwachsensein immer wieder gelobt wird, glaubt es stark zu sein, keine Schwächen zu haben und immer alles bestimmen zu wollen. Im Körper verschiebt sich alles nach "oben" und die obere Hälfte wirkt aufgebläht. In der Mitte des Körpers treten Bruchstellen zwischen oben und unten auf. Die psychopathische Persönlichkeit ist sehr stark kopflastig und leugnet ihre Gefühle. Das äußerliche Gehabe und Großgetue steht im Mittelpunkt ihres Daseins. Die psychopathische Person hat die Wiederentdeckung seiner tiefen Gefühle zur Aufgabe und der damit verbundenen Verletzlichkeit.

Kurzbeschreibung des masochistischen Charakters

Werden Kinder immer wieder in ihrem Bewegungsdrang und ihrer Neugierde unterdrückt und beherrschen sie sich aus Furcht vor Ablehnung, ist spontaner Ausdruck kaum mehr möglich. Sie versuchen den Anderen immer alles Recht zu machen. Sie passen sich dem Druck der Anderen an, um sich nicht „daneben“ zu benehmen. Folgen dieser permanenten Anpassung sind Antriebsschwäche, Verklemmungen, Hemmungen und Schamgefühl. Die Strebungen nach Unabhängigkeit werden dem Bravsein und dem nicht Auffallen wollen geopfert. Solche Personen sind später willenlose Befehlsempfänger und meiden die eigenverantwortliche Entscheidung. Die masochistische Person muss versuchen ihre Aggressionen angemessen abzuführen, ohne Schuldgefühle dabei zu empfinden. Sie tut gut daran „Neinsagen“ zu lernen und ihre Schuldgefühle zu reduzieren. Tiefe Entspannung ist ihm sehr hilfreich.

Kurzbeschreibung des rigiden Charakters

Wichtige Merkmale sind: Vornehme Zurückhaltung, Stolz und Unnahbarkeit. Hier wird sich durch ablehnendes und zurückweisendes Verhalten geschützt. Liebevolle Hingabe an eine geliebte Person fällt dem rigiden Typen äußerst schwer. Er lebt in der Vorstellung alles allein schaffen zu müssen. Die rigide Persönlichkeit hat die Phasen von Bejahen, Nehmen und Halten recht befriedigend durchlaufen, so dass sie sich eigentlich liebevoll hingeben könnte. Aber gerade in dieser Entwicklungsphase treten Schwierigkeiten auf. In Form von spezifischen Verspannungsmustern, die sich aus der Zurückhaltung ergeben. Der Rigide gibt sich nur teilweise hin. Empfindet er tiefe Liebe, wird er sich scheuen, sich sexuell hinzugeben. Lässt er sich auf Sexualität ein, wird er sein Herz zurücknehmen. Er muss lernen, seine Angst vor Zurückweisung abzulegen.

Autor/Foto: Klaus Thomas-Lindoso, Praxis für Naturheilkunde und Ganzheitliche Therapie, Rüttenscheider Str. 88, 45130 Essen

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