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Tipps bei Blasenschwäche und Harninkontinenz

Rund sechs Millionen Menschen in Deutschland haben eine Blasenschwäche. Bei einer schwachen Blase möglichst nicht ständig sicherheitshalber auf Toilette gehen.

Toilette

Eine Blasenschwäche oder Harninkontinenz, wie der unfreiwillige Urinabgang auch genannt wird, betritt viele Menschen. Nach Schätzungen von Gesundheitsexperten haben bis zu 25% der Frauen über 60 Jahre die Entleerung der Blase nicht mehr vollständig unter Kontrolle. Auch Männer sind betroffen, wie eine beträchtliche Anzahl junger Frauen, die zeitweise das Wasser nicht optimal halten können.

Die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen, denn es ist ein Tabuthema und viele Betroffene verheimlichen das Problem. Es ist ihnen peinlich, darüber zu sprechen und damit wird auch kein Arzt aufgesucht. Meist vermindert eine Inkontinenz die Lebensqualität drastisch. Betroffene verlassen ungern das Haus, ziehen sich vom sozialen Leben zurück und vereinsamen zusehends. Dabei könnte vor allem jüngeren Betroffenen mit frühzeitigen Vorsorgeuntersuchungen und Therapien geholfen werden.

Formen der Harninkontinenz

Es gibt mehrere Formen von Harninkontinenz. Eine Belastungs-Inkontinenz bezeichnet den Harnverlust während körperlicher Anstrengung, ohne dass Harndrang verspürt wird. In relativ kleinen Mengen geht der Urin bei körperlicher Belastung, Heben, Tragen, Treppensteigen, Lachen, Husten oder Niesen ab. Ursache ist eine Schwäche der Verschlussmechanismen der Blase. Oft steht bei jüngeren Frauen diese Funktionsschwäche des Harnverschlussapparates in Zusammenhang mit einem geschwächten Beckenboden infolge von Schwangerschaft, Geburt oder der hormonellen Umstellung während der Wechseljahre. Beim Mann ist diese Form der Inkontinenz meist Folge einer Schädigung des äußeren Blasenschließmuskels durch Operationen oder Unfälle.

Bei der Drang-Inkontinenz handelt es sich um einen unwillkürlichen Harnverlust, der durch ein starkes Harndranggefühl begleitet wird. Betroffene verspüren plötzlich einen starken Harndrang und können den Urin nicht mehr bis zum Erreichen der Toilette zurückhalten. Die Blase wird durch unfreiwilliges Zusammenziehen teilweise oder vollständig entleert, wobei die Harnblase meist nur wenig gefüllt ist.

Verantwortlich für die Überempfindlichkeit der Blase können Entzündungen oder Tumore in Blase oder Harnröhre sein. Daneben können aufgrund Erkrankungen die Nervenimpulse der für die Entleerung zuständigen Harnblasenmuskulatur gestört sein.

Bei der Misch-Harninkontinenz handelt es sich um ein gemeinsames Auftreten von Belastungs- und Drang-Inkontinenz. Der unwillkürliche Harnverlust tritt einerseits mit dem nicht unterdrückbaren Harndrang und anderseits bei körperlicher Belastung, Lachen, Niesen oder Husten auf.

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Tipps und Vorbeugung

Frauen, die eine schwache Blase haben oder dem vorbeugen wollen, sollten die Abstände zwischen dem Wasserlassen möglichst lange ausdehnen und vorbeugende Toilettenbesuche vermeiden. Würde die Blase nur bei geringem Druck entleert, dann würde nach Meinung von Gynäkologen die Blase sich zunehmend verkleinern und bereits bei kleinen Urinmengen einen verstärkten Harndrang signalisieren.

Wer unter Blasenproblemen leidet, sollte rechtzeitig darüber offen mit dem Hausarzt sprechen. Dieser kann nur helfen, wenn Betroffene die Beschwerden und Symptome konkret schildern. Inkontinenz gehört nicht unbedingt zum Altern dazu und durch eine rechtzeitige Behandlung können Belastungen im Alltag vermindert werden.

Ist eine Inkontinenz vorhanden, sollten Betroffene keinesfalls ihre Flüssigkeitsaufnahme reduzieren, etwa aus der Befürchtung, dass eine Toilette nicht rechtzeitig erreicht wird und damit der Harndrang nicht so stark wird. Durch zu geringe Trinkmengen wird sonst der Urin stark konzentriert, dass dieser die Blasenschleimhaut angreifen kann und die Probleme noch verstärkt. Inkontinente Menschen sollten jedoch möglichst nicht zu harntreibenden Getränken greifen. Abzuraten ist grundsätzlich von Schwarz- und Grüntee-Getränken, Brennessel-, Nieren- und Blasentee. Kaffee und alkoholische Getränke gelten ebenfalls als harntreibend.

Therapien

Die Belastungsinkontinenz wird durch die Schwächung der Muskulatur des Beckenbodens hervorgerufen. Im Rahmen des Beckenbodentrainings wird durch gymnastische Übungen der gesamte Muskelapparat des Beckenbodens gekräftigt und damit den Blasenschliessmuskel gestärkt. Auf die persönlichen Bedürfnisse abgestellt, können Krankengymnasten und Physiotherapeuten die einzelnen Übungen aufzeigen.

Ein Blasentraining kann helfen, dass Betroffene nicht mehr so oft zur Toilette müssen. Die Betroffenen notieren in einem besonderen Tagebuch, wie oft am Tag sie die Blase entleeren und ermitteln die Urinmenge mit einem Messbecher. Den Abstand zwischen zwei Toilettengängen zu vergrößern stellt dabei das Ziel dar. Es sollte nicht bei jedem kleinen Harndrang nachgegeben werden. Besser abwarten, bis der Drang wieder nachlässt und dann in Ruhe Wasser lassen. Hilfreich sind auch Entspannungstechniken, da Angst und Nervosität oft den Harndrang verschlimmern.

Bei schwierigen Fällen der Inkontinenz kann eine Operation sinnvoll sein. Bei der Kolposuspension werden Blase und obere Harnröhre indirekt angehoben. Beim TVT-Band stützt dieses spannungsfrei eingebrachtes, synthetisches Band die Harnröhre. Ungewollter Urinabgang wird dadurch verhindert, dass die Harnröhre in Belastungssituationen gegen dieses Band gepresst wird und sich verschließt. Sind Nervenbahnen für die Blasensteuerung geschädigt, dann muss unter Umständen ein Blasenkatheter eingeführt werden.

Eine medikamentöse Therapie wird oft bei Symptomen einer Dranginkontinenz eingesetzt. Der behandelte Arzt verabreicht Medikamente, die eine Überaktivität der Blasenmuskulatur wirksam dämpft, indem das vegetative Nervensystem gehemmt wird. Etwas weniger stark können muskelentspannende Medikamente wirken. In der Regel sind die Medikamente gut verträglich. Sie sollten immer nur ein Bestandteil der Behandlung sein, da auch Beckenbodengymnastik und Blasentraining gegen Harninkontinenz helfen.

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