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Bipolar: ein Leben mit extremen Emotionen

Bipolare Störungen sind häufig: Himmel hoch jauchzend, zu Tode betrübt – ein Zustand, der vielen Menschen zu schaffen macht. Mindestens 2 Millionen Menschen sind in Deutschland betroffen. Nur wenige Betroffene wissen um ihre Krankheit und finden den Weg zu einem geschulten Arzt oder Psychologen. Dabei könnten eine rechtzeitige Diagnose und eine gezielte Behandlung den Krankheitsverlauf wesentlich verbessern.

Bootsteg

Bipolare Störung – was ist das?

Jeder Mensch kennt es: Schwankungen der Gefühle. An gewissen Tagen ist die Stimmung gut, manchmal eher schlecht. Das ist normal und jeder kennt den schwierigen Montagmorgen oder graue regnerische Tage.

Menschen mit bipolaren Störungen, früher auch manisch depressive Erkrankung genannt, leben jedoch mit extremen Emotionen. Sie fallen oft ohne nachvollziehbare Gründe von einem Extrem ins andere.

Das Wort „Bipolar“ heißt wörtlich „zwei Pole“ und weist auf die zwei extremen Stimmungszustände hin, zwischen denen Betroffene in der Regel schwanken. Eine extreme Emotion ist Manie mit einem euphorischen Glücksgefühl aber auch Antriebsüberschuss und im Gegensatz dazu Depression mit einer vollkommenen Verzweiflung. Zwischen Manie und Depression ist ein geregeltes Leben kaum möglich, da die Erkrankung die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt.

Betroffene fallen von einem Gefühl des Glücks, in der sie „Bäume ausreißen“ könnten, plötzlich in eine Lebenslage von Trauer und Verzweiflung oder bekommen Angst zu handeln. Starke Schwankungen zwischen Euphorie und Trübsinn, ein 30fach erhöhtes Suizidrisiko gegenüber der Normalbevölkerung – das ist das Schicksal vieler Patienten mit einer bipolaren Erkrankung.

Die bipolare Störung gehört zu den häufigsten psychischen Erkrankungen und kann jeden treffen. 24 Prozent der Patienten, bei denen Depressionen diagnostiziert werden, leiden eigentlich an einer bipolaren Störung. So lautet das Ergebnis einer Studie der britischen Neasham Road Surgery, Darlington.

Allein in Deutschland leben mindestens zwei Millionen Menschen als Grenzgänger zwischen Euphorie und Trübsal. Experten nehmen an, dass insgesamt bis zu 50 Prozent der bipolaren Störungen nicht erkannt oder fehldiagnostiziert werden. Im Durchschnitt vergehen bis zur richtigen Diagnose zehn Jahre und mehrere Krankheitsphasen. Das liegt wohl zum einen an den individuell sehr verschiedenen Ausprägungen und Krankheitsverläufen, die die Diagnostik erschweren. Zum anderen sind viele Betroffene unzureichend informiert oder scheuen den Gang zum Arzt. Laut einem Report der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehören bipolare Störungen zu den zehn Erkrankungsbildern, die weltweit am häufigsten zu andauernder Behinderung führen.

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Wie verlaufen Bipolare Störungen?

Bei Bipolaren Störungen handelt es sich um kein einheitliches Krankheitsbild und somit kann die Erkrankung durchaus individuell sehr verschieden verlaufen. Grundsätzlich verlaufen sie in Phasen, in manischen, hypomanen oder depressiven Episoden, die einzeln auftreten, sich aber auch überlappen können. Die durchschnittliche Dauer der Krankheitsphasen liegt bei vier bis zwölf Monaten. Dabei können manische und depressive Episoden einzeln auftreten oder auch ineinander übergehen. Ein Teil der Patienten bekommt mehr manische, andere mehr depressive Episoden. Auch ein Wechseln von manischer zu depressiver Episode innerhalb einer Krankheitsepisode ist möglich.

Zwischen den einzelnen Krankheitsepisoden können Intervalle von mehreren Monaten oder Jahren liegen, in denen der Patient völlig beschwerdefrei ist bzw. über eine stabile Stimmungslage verfügt. Durchschnittlich erleiden Menschen mit Bipolaren Störungen etwa vier Krankheitsepisoden innerhalb der ersten zehn Erkrankungsjahre. Entsprechend der Art der Krankheitsepisoden und der Ausprägung werden die Bipolaren Störungen nach folgendem Schema der Deutschen Gesellschaft für Biopolare Störungen e.V. unterteilt:

Bipolar-I-Störung

Von einer Bipolar-I-Störung spricht man, wenn die Betroffenen mindestens eine über 14 Tage andauernde manische Episode und mindestens eine depressive Episode hatten.

Bipolar-II-Störung

Von einer Bipolar-II-Störung spricht man, wenn die Betroffenen mindestens eine, über 14 Tage andauernde depressive Episode und mindestens eine hypomane (leichtere Form der Manie) Episode hatten.

Zyklothyme Störung

Von einer Zyklothymen Störung spricht man, wenn die Betroffenen über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren ständig leichte manische und depressive Stimmungsschwankungen haben, wobei die einzelnen Episoden nicht alle Kriterien einer Manie oder Depression erfüllen. Festzustellen ist auch, dass nur ein geringer Prozentsatz der bipolaren Patienten manische Episoden tatsächlich himmelhoch-jauchzend erlebt. Die meisten weisen weniger schwere Ausprägungen der Manie oder Mischzustände mit depressiven Symptomen auf. Diese sind wesentlich schwerer zu erkennen und werden nur selten von den Patienten kommuniziert.

Symptome der Depression

Die Hauptsymptome einer Depression sind Niedergeschlagenheit einhergehend mit Ängsten, Traurigkeit, Verzweiflung, Freudlosigkeit, Unglücklichsein, Interessenverlust und einem Gefühl der Leere. Ferner kommt es zur Verminderung des Antriebs und der Aktivität mit Interessenlosigkeit, Passivität und erhöhte Ermüdbarkeit. In der Depression verhalten sich Menschen zurückgezogen, haben keine Lust mehr, sich mit anderen zu treffen, etwas zu unternehmen und vermeiden Geselligkeit. Freude und Trauer werden ohne Emotionen erlebt.

Symptome der Manie

Im Rahmen der Manie kommt es zu einer euphorischen Hochstimmung mit Glücksgefühlen, unbändiger Schaffenskraft, Übermut, übertriebenem Genussbedürfnis, Hemmungslosigkeit, vermindertes Schlafbedürfnis und ausgeprägter, übertriebener Heiterkeit. Kennzeichen können auch leichte Reizbarkeit, Ungeduld und Streitlust sein. Menschen, die sich im Zustand der Manie befinden, leugnen hartnäckig, dass sie in irgendeiner Art und Weise Probleme hätten.

Therapie bipolarer Störungen

Bei Bipolare Störungen gibt es momentan keinerlei Möglichkeiten eine Diagnose mithilfe von Laboruntersuchungen oder anderen Untersuchungsmethoden zu erstellen. Die Diagnose kann nur im Rahmen einer intensiven Befragung und Gesprächen mit dem Erkrankten, bzw. seines Umfeldes erfolgen. Von großer Bedeutung bei der Diagnostik ist die Erhebung der Familienanamnese. Da gilt es zu klären, ob in der Familie manische, depressive oder bipolare Störungen bekannt sind oder ob andere psychiatrische Erkrankungen bei Familienangehörigen vorliegen. Vom Auftreten der ersten Symptome bis zur korrekten Diagnose können durch diese Gegebenheiten im schlechtesten Fall Monate oder sogar Jahre vergehen.

Durch eine schnelle Therapieeinleitung können psychische und soziale Probleme vermieden werden. Darunter zählen die Vermeidung von Suizidversuchen, von Alkohol-, Drogen- und Medikamentenmissbrauch, von falschen Behandlungsmethoden und von Beziehungskonflikten und des Erhalts der Arbeitskraft.

Die Krankheit lässt sich heute mit modernen und verschiedenen Behandlungsmethoden gut behandeln. Neben der medikamentösen Therapie, die die meisten Patienten den Rest ihres Lebens begleitet, kommen auch Verfahren der Psychotherapie sowie Wach- und Elektrokrampftherapie zum Einsatz. Welche Therapiemethoden eingesetzt werden, hängt sowohl von der Schwere der Erkrankung als auch vom Verlauf ab. Darüber hinaus bieten sich als weitere Maßnahmen Einzelgespräche oder Gruppentherapie an. auch der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann eine hervorragende Hilfe bedeuten.

Frühwarnzeichen erkennen

Sich selbst und sein Verhalten zu beobachten, stellt eine wichtige Lernaufgabe dar. Nur dann können Frühwarnzeichen für eine sich anbahnende Krankheitsepisode rechtzeitig erkannt und mit Hilfe des Arztes therapeutisch gegengesteuert werden. Nicht selten haben Menschen mit bipolaren Störungen neben der Krankheit mit Mobbing, Arbeitsplatzverlust und Scheidung zu kämpfen. Denn ihre Stimmungsschwankungen entwickeln eine Eigendynamik, die mit äußeren Umständen nicht mehr zu erklären ist. An dieser Stelle ist auch die Bedeutung von Angehörigen, Freunden und Bekannten nicht zu unterschätzen, die den Betroffenen mit seinem Verhalten gut kennen und frühzeitig zur Hilfe stehen, damit ein Umgang mit der Erkrankung gelingt.

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