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Therapien gegen die Onlinesucht

Surfen, spielen, soziale Netzwerke – das Internet macht vielen Menschen täglich Spaß. Wenn sie jedoch ohne das Netz nicht mehr leben können, wird es problematisch. Oft können schon bei Kindern Anzeichen einer Mediensucht erkannt werden.

Onlinesucht

Bis zu 20 Stunden täglich allein vor dem Computer sitzen und Onlinespiele nutzen. Oder stundenlang auf Facebook, WhatsApp, Instagram oder Snapchat sein. Kaum mehr schlafen, sich wenig ernähren, Freunde und Hobbys vernachlässigen und komplett vereinsamen und verwahrlosen. Innerhalb weniger Jahre ist aus einem wissbegierigen und kommunikativen Jugendlichen genau das Gegenteil geworden: Grund ist Onlinesucht. Viele Kinder und Jugendliche chatten, posten und liken von früh bis in die Nacht und finden kein Ende mehr. Die Probleme sind vielfältig: zu wenig Schlaf, Realitätsflucht und Streit mit den Eltern.

Exzessive Computernutzer zeigen ähnliche Muster wie Alkoholiker. Dem Drogen- und Suchtbericht des Bundesgesundheitsministeriums zufolge weisen etwa drei bis sieben Prozent aller Internetnutzer Suchtmerkmale auf. Bundesweit sind rund 560.000 betroffen, die Tage und Nächte im Internet verbringen, Hunger und Müdigkeit ignorieren und immer mehr verwahrlosen. Während Männer laut Studien eher Internetglückspiele und Onlinespiele übermäßig nutzen, sind Frauen meist von einer Online-Kommunikationssucht in sozialen Netzwerken betroffen.

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Der Probleme im realen Leben entkommen

Internet- bzw. Onlineabhängige vernachlässigen durch den krankhaften Internetkonsum ihre normalen Lebensgewohnheiten und flüchten sich im Extremfall in eine virtuelle Ersatzwelt. Folgen sind körperliche Beschwerden, wie Augen- und Rückenprobleme, Untergewicht oder extremes Übergewicht. Betroffene verlieren den Kontakt zur Realität, vereinsamen, werden ängstlich, emotionslos und verringern ihre Leistungen in Schule oder am Arbeitsplatz beträchtlich. In der Abwärtsspirale gehen nach und nach Beziehungen zu Familie und Freunde in die Brüche und eine Verwahrlosung kann eintreten.

Die Internetsucht als Überbegriff von verschiedenen Online- und Computerspielsüchten, ist keine eigenständige Erkrankung, sondern vielmehr Ausdruck und Symptom weiterer psychischer Störungen, die sich hinter dem krankhaften Internetgebrauch verbergen. Bei 90 Prozent der pathologischen Internetnutzer lassen sich depressive Syndrome, Angsterkrankungen und Persönlichkeitsstörungen sowie Suchtmittelmissbrauch oder -abhängigkeiten.

Der Gebrauch des Internets kann sich zu einem stark exzessiven, selbstschädigenden Problemverhalten entwickeln. Neben einem ausgeprägt niedrigen Selbstwertgefühl, findet sich bei den Betroffenen häufig die Unfähigkeit zu entspannen. In vielen Fällen wird das Internet als Möglichkeit genutzt, um Problemen im realen Leben, wie fehlende Anerkennung und Zuwendung, zu entkommen. Die Flucht in die virtuelle Welt bedeutet aber auch ein Weglaufen vor der psychischen Erkrankung, die sich dadurch weiter zuspitzen kann.

Ob jemand süchtig ist, muss individuell getroffen werden. Wer beispielsweise den ganzen Tag in einem rein geschäftlichen Zusammenhang am Computer arbeitet, gilt nicht als onlinesüchtig und tendiert eher in Richtung Arbeitssucht. Eine Onlinesucht ist eher der Fall, wenn mit Hilfe von Onlinespielen tiefer liegende emotionale Bedürfnisse befriedigt werden. Füllt das Internet oder Onlinespiel jede freie Minute des Tages aus und wird sogar bis spät in die Nacht hinein am Computer gesessen, dann gilt dies bereits als Warnzeichen. Die Person hat ein ausgeprägtes Verlangen das Internet zu nutzen und eine verminderte Kontrolle über die Dauer seiner Internetaktivität. Trotz aller Anstrengungen, kann der Betroffene den Internetkonsum nicht reduzieren.

Ist es für die Person nicht möglich, im Internet zu surfen, so treten unterschiedliche unangenehme emotionale und körperliche Zustände auf, zum Beispiel Ruhelosigkeit, Reizbarkeit, Nervosität, Niedergeschlagenheit. Verschiedenste andere Aufgaben und Interessen werden vernachlässigt.

Hilfen und Therapien

Das Eingeständnis, vom Internet abhängig zu sein, ist der erste Schritt heraus aus der Sucht. Ebenfalls ist ein Austausch mit anderen Betroffenen wichtig. Gerade Selbsthilfegruppen ermöglichen einen fruchtbaren Gedankenaustausch und Hilfsangebote. Betroffene sollten Alternativen außerhalb des virtuellen Raumes aufgezeigt bekommen. Anstatt ständig vor dem Computer zu sitzen, sorgt ein geregeltes Tagesprogramm mit gemeinsamen Sport, Basteln und Freizeitangebote für Abwechslung. Eltern sollten klare Regeln und Zeiten für die Computernutzung zu vereinbaren, um übermäßiger Mediennutzung vorzubeugen.

Kommt ein Betroffener nicht mehr alleine zurecht, dann sollte ein Experte bzw. eine Suchtklinik aufgesucht werden. Spezialisierte Kliniken mit dem Fachgebiet Sucht- und Abhängigkeitserkrankungen bieten ambulante und stationäre Therapien an.

Nach der ausgiebigen Diagnostik müssen Betroffene im therapeutischen Prozess reifen und ihre Angst, innere Unsicherheit und das starke emotionale Defizit verlieren. Ein Ziel der Behandlung des maßlosen Internetgebrauchs ist eine starke Reduktion der Online-Zeiten. Daneben sollte das Selbstwertgefühl wieder gestärkt werden, wie auch vernachlässigte Aktivitäten sowie soziale Kontakte wieder aufzubauen.

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