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Individuelle Heilansätze bei Neurodermitis

Redensarten wie „Das geht mir unter die Haut“ oder „Das juckt mich nicht“ zeigen, wie sehr die Haut mit der Psyche verbunden ist. Eine entscheidende Rolle spielt dieser Zusammenhang bei einer Neurodermitis. Neben der Psyche ist auch die individuelle Allergieneigung wesentlicher Ansatzpunkt einer erfolgreichen Therapie.

geröteter Hautbereich

Neurodermitis – darunter verstehen Ärzte eine „vererbte Ekzemneigung“. Die Krankheit verläuft in Schüben und kann altersabhängig sein. Im akuten Stadium ist die Haut angeschwollen, rot und trocken-schuppig oder sie nässt. Auf jeden Fall juckt die Haut sehr stark und Betroffene kratzen sich oft die Haut blutig. Es sind eine Vielzahl von Faktoren bekannt, die eine Neurodermitis auslösen können: Neben der Veranlagung, Klimareizen und psychischem Stress können auch Infekte, Nahrungsmittel- und Pollen-Allergien sowie Reaktionen auf Wolle, synthetische Fasern etc. eine Rolle spielen.

Beim Säugling zeigt sich die Neurodermitis am Anfang meist im Gesicht, später wird dann der ganze Körper befallen. Im Schulalter finden wir Hautveränderungen an den großen Gelenkbeugen. Im Erwachsenenalter treten Ekzeme im Gesicht, Nacken, an den Schultern sowie an Armen und Beinen auf.

Unter dem Mikroskop betrachtet, weist die betreffende Hautpartie häufig eine gröbere Struktur auf, ist gerötet, trocken und schuppig. Sie reißt besonders unter Dehnung ein und neigt zu Entzündungen.

Problematisch ist der quälende, oft unerträgliche Juckreiz, der nachts den Schlaf raubt und heftiges Reiben oder Kratzen provoziert. Die Oberhaut wird dabei abgeschabt, sie nässt und es entstehen oberflächliche Entzündungen. Zusätzlich werden durch verschmutzte Fingernägel Bakterien in die Hautoberfläche eingeschleppt und verschlechtern das Krankheitsbild.

Umgang mit Stress neu lernen

Grundlage bei allen Therapiemaßnahmen ist jede Art von Stressbewältigung, z.B. durch Autogenes Training, Atemtherapie, Yoga oder leichte Formen von Ausdauersport.

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Heilkräutertees und Öle

Die Pflanzenheilkunde bietet zur Stärkung der Psyche und besseren Stresstoleranz Tees aus Johanniskraut und Melissenblättern sowie Stiefmütterchentee zur Ausleitung.

Ergänzend können – auch in Kapsel-Form – Nachtkerzen-, Schwarzkümmel-, Borretschsamen- und Johannisbeersamenöl eingenommen werden. Die enthaltenen Fettsäuren, vor allem die Gamma-Linolensäure, sind Vorstufen von Hormonen, die einen positiven Einfluss auf die entzündeten Hautstellen haben. Das Öl ist auch für die Anwendung bei Kindern geeignet.

Pflege von außen lindert den Juckreiz

Bei nässenden Ekzemen und Juckreiz sind Umschläge und Bäder mit Gerbstoffdrogen wie Eichenrinde, Hamamelis- oder Walnussblättern hilfreich. Die überempfindliche Haut mit verminderter Schweißbildung hat nämlich keinen wesentlichen Schutzmantel. In den betreffenden Hautarealen kann nicht genug Feuchtigkeit gebunden werden und die Widerstandskraft ist dadurch sehr geschwächt. Zudem fehlen verschiedene Formen von Fettsäuren, die für einen Teil des Schutzes und der Elastizität sorgen.

Die Allergiebereitschaft ist der Kernpunkt

Mechthild Scheuermann, die sich seit 24 Jahren in Schwelm bei Wuppertal für die individuelle Beratung und Schulung von Neurodermitikern engagiert („Schwelmer Modell“) nennt als Kernpunkt in ihrem Verständnis einer ganzheitlichen Neurodermitistherapie, „an der Allergiebereitschaft des Patienten zu arbeiten“.

Diese Arbeit geschieht zum einen, indem die auslösenden Stoffe für eine längere Zeit strikt vermieden werden. Ein zweiter Weg ist es, über die Psyche Einfluss auf das Immunsystem auszuüben. Scheuermann: „Es ist bekannt, dass es nicht so sehr heftige Schicksalsschläge sind, die erstmals eine Neurodermitis auslösen, sondern es sind eher Daueranspannungen, die Stress gewohnte Menschen kaum mehr wahrnehmen.“ Auf eine Anspannung sollte eine Phase der bewussten Entspannung folgen. „Arbeit, aber auch Pause, Anstrengung, aber auch Freizeit und Genuss – es geht um einen gesunden Wechsel.“

Wie man heute wisse, spielt auch die genetische Veranlagung bei Neurodermitis eine entscheidende Rolle: „Es ist unter anderem ein Allergieproblem“, so Mechthild Scheuermann, „und vererbt wird insbesondere die Allergieneigung.“ Die Bereitschaft allergisch zu werden heißt Atopie. Wer ein Kind hat, bei dem eine solche Neigung zu vermuten ist oder wenn die Erkrankung schon aufgetreten ist, soll man laut Scheuermann „unbedingt auf einen ausgeglichenen Lebensrhythmus, auf klare Strukturen und Grenzen achten“. Das gelte übrigens auch für Erwachsene.

Außerdem sei wichtig, mögliche Allergien, beispielsweise ausgelöst durch Pollen, Tierhaare, Schimmelpilze oder Hausstaubmilben, zu berücksichtigen. Und die bekannten, häufigen Nahrungsallergene zu vermeiden und durch andere, weniger „riskante“ Lebensmittel zu ersetzen. Welche Lebensmittel gelten als riskant? Häufig unverträglich sind Kuhmilch, Hühnerei, Kräuter, Gewürze, Nüsse, aber auch Weizen und Soja. Mechthild Scheuermann und die weiteren Berater des Schwelmer Modells empfehlen den Neurodermitikern nicht nur, die für sie unverträglichen Lebensmittel zu meiden (die nach einer Testphase von vier bis acht Wochen feststehen), sondern gleichzeitig, sich basenreich zu ernähren. „Das heißt eben auch, Säurebildner in der Kost zu meiden, also eine zuckerarme Ernährung anzustreben.“

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